Glauben Katzen, das sie unsere Kinder sind? / Weltkindertag Special

Am 20. September ist Weltkindertag.

Und für viele Katzeneltern stellt sich da natürlich eine ganz andere Frage: Zählt mein Stubentiger eigentlich auch?

Schließlich schlafen sie in unserem Bett, bekommen Geschenke, wir planen unseren Alltag um ihre Essenszeiten herum und zeigen anderen Menschen ungefragt viele Fotos von ihnen.

Das klingt verdächtig nach Familienmitglied. Aber wie sieht das eigentlich aus Sicht unserer Katzen aus?

Denken Katzen wirklich, dass sie unsere Kinder sind - oder vielleicht sogar, dass wir ihre Eltern sind?

Nein, deine Katze hält dich wahrscheinlich nicht für ihre Mama

Auch wenn wir unsere Katzen gerne als Fellkinder bezeichnen, gibt es keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass eine erwachsene Katze tatsächlich denkt:„Das ist meine menschliche Mutter und ich bin ihr Baby.“

Katzen können Menschen von anderen Katzen unterscheiden und passen ihre Kommunikation sogar an uns an. Die Beziehung zwischen Katze und Mensch ist also nicht einfach eine Verwechslung zweier Spezies.

Aber: Die emotionale Bindung, die Katzen zu ihren Bezugspersonen aufbauen können, weist erstaunliche Ähnlichkeiten zu einer Eltern-Kind-Beziehung auf.

Du kannst für deine Katze eine „sichere Basis“ sein

Forscher der Oregon State University untersuchten, wie Katzen auf die Anwesenheit und Abwesenheit ihrer Bezugsperson reagieren.

Dafür nutzten sie einen sogenannten Secure Base Test, der ursprünglich auch zur Untersuchung der Bindung zwischen kleinen Kindern und ihren Bezugspersonen eingesetzt wird.

Die Katze war zunächst gemeinsam mit ihrer Bezugsperson in einem unbekannten Raum, anschließend kurz allein und danach wieder mit der Person vereint.

Das Ergebnis: Ein großer Teil der untersuchten Katzen zeigte ein sicheres Bindungsverhalten.

Nach der Rückkehr ihrer Bezugsperson wirkten diese Katzen weniger gestresst und konnten gleichzeitig wieder ihre Umgebung erkunden. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass viele Katzen ihre Menschen tatsächlich als Quelle von Sicherheit und Trost nutzen.

Bei den untersuchten Jungkatzen wurden rund 64 % als sicher gebunden eingestuft. Bei erwachsenen Katzen lag der Anteil bei knapp 66 %.

Das bedeutet natürlich nicht, dass deine Katze denkt, dass sie dein Kind ist. Sondern, dass sie sich in vielen Fällen in deiner Umgebung sicher fühlt. Und das ist mindestens genauso schön.

Katzen schauen tatsächlich auf uns, wenn sie unsicher sind

Kennst du diesen Blick?

Irgendetwas Neues steht im Wohnzimmer.

Miez schaut das unbekannte Objekt an. Dann dich. Dann wieder das Objekt.

Genau dieses Verhalten wurde tatsächlich wissenschaftlich untersucht.

In einer Studie mit einem unbekannten, potenziell beunruhigenden Gegenstand zeigten 79 % der Katzen sogenanntes „Social Referencing“: Sie wechselten ihren Blick zwischen dem Gegenstand und ihrer Bezugsperson. Viele passten ihr Verhalten außerdem teilweise an die positive oder negative emotionale Reaktion ihres Menschen an.

Das bedeutet: Wenn deine Katze nicht genau weiß, was sie von einer Situation halten soll, kann sie tatsächlich bei dir nach Orientierung suchen. 

Sie merken auch, ob du ihnen Aufmerksamkeit schenkst

Noch spannender: Katzen reagieren darauf, ob wir gerade überhaupt ansprechbar sind.

In einem Experiment mit einem unerreichbaren Leckerli blickten Katzen schneller und länger zu ihrer Bezugsperson, wenn diese aufmerksam war. Ihre Kommunikation mit Menschen veränderte sich also abhängig davon, ob die Person ihnen gerade Aufmerksamkeit schenkte.

Die Katze weiß vielleicht nicht, dass du gerade „nur ganz kurz eine E-Mail beantworten musst“. Sie weiß aber durchaus: Du guckst gerade nicht richtig zu - und das ist selbstverständlich inakzeptabel.

Sind wir also Eltern - oder eher Katzenfreunde?

Wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist Bezugsperson der passendere Begriff.

Du stellst Nahrung und Wasser bereit, sorgst für Sicherheit, bietest Rückzugsmöglichkeiten und kümmerst dich um Gesundheit und Pflege.

Und du bist für viele Katzen gleichzeitig Sozialpartner und Quelle von Komfort.

Das überschneidet sich mit einigen Funktionen, die Eltern für ihre Kinder übernehmen - ohne dass eine Katze uns deshalb buchstäblich als Mutter oder Vater verstehen muss.

Forscher vermuten sogar, dass die Bindung von Haustieren an Menschen teilweise aus Verhaltenssystemen hervorgegangen sein könnte, die ursprünglich der Bindung zwischen Nachwuchs und Betreuungsperson dienten.

Warum benehmen sich erwachsene Katzen manchmal wie Kitten?

Hier kommt ein weiterer Grund, warum sich die Beziehung manchmal so nach Elternschaft anfühlt. Hauskatzen behalten auch im Erwachsenenalter Verhaltensweisen bei, die mit Jugend und Abhängigkeit verbunden sind.

Sie sind schließlich weiterhin auf uns angewiesen:

Wir besorgen das Futter, öffnen Türen, stellen Wasser bereit und kümmern uns darum, wenn etwas wehtut.

Die Abhängigkeit von menschlicher Fürsorge kann dazu beitragen, dass bestimmte Elemente einer Betreuungsperson-Nachwuchs-Beziehung auch zwischen erwachsenen Katzen und Menschen bestehen bleiben.

Liebt meine Katze mich - oder nur den Futternapf?

Natürlich spielt Futter eine wichtige Rolle in der Beziehung zu deiner Katze. Aber es ist nicht alles.

In Untersuchungen zu den Vorlieben von Katzen zeigte sich, dass soziale Interaktion mit Menschen für viele Tiere sehr attraktiv sein kann - teilweise sogar attraktiver als andere angebotene Reize wie Futter, Spielzeug oder Gerüche. Dabei gab es allerdings deutliche individuelle Unterschiede zwischen den Katzen.

Das ist ein wichtiger Punkt: Katzen sind Individuen. Die eine möchte am liebsten den ganzen Abend auf deinem Schoß verbringe, während die nächste ihre Zuneigung zeigt, indem sie exakt 70 Zentimeter entfernt auf dem Sofa sitzt und gelegentlich in deine Richtung blinzelt. Beides kann eine enge Bindung sein.

Woran erkennst du, dass deine Katze dir vertraut?

Nicht jede Katze zeigt Zuneigung gleich.

Typische soziale Verhaltensweisen können beispielsweise sein:

  • deine Nähe suchen

  • entspannt in deiner Nähe schlafen

  • dich begrüßen, wenn du nach Hause kommst

  • sich an dir reiben

  • dir langsam zublinzeln

  • gemeinsam mit dir spielen

  • dir durch die Wohnung folgen

  • in ungewohnten Situationen deine Nähe oder deinen Blick suchen

Dabei gilt: Eine Katze muss nicht ständig kuscheln, um eng an dich gebunden zu sein.

Persönlichkeit, Erfahrungen, Alter und Sozialisation beeinflussen stark, wie offen eine Katze ihre Beziehung zu Menschen zeigt.

Sind Katzen also unsere Kinder?

Wissenschaftlich gesehen: Nein - zumindest nicht in dem Sinne, dass Katzen sich selbst als menschliche Kinder verstehen.

Emotional? Nun ja.

Die Forschung zeigt, dass Katzen enge Bindungen zu Menschen eingehen können, ihre Bezugsperson als Quelle von Sicherheit nutzen und sich in unsicheren Situationen an unserem Verhalten orientieren.

Das klingt vielleicht nicht exakt nach einer klassischen Eltern-Kind-Beziehung.

Aber es klingt ziemlich eindeutig nach: Familie.

Fazit zum Weltkindertag

Vielleicht denkt deine Katze nicht: „Das ist meine Mama.“

Vielleicht denkt sie eher: „Das ist der große, etwas unbeholfene Mitbewohner, der erstaunlicherweise Dosen öffnen kann.“

Aber wenn sie deine Nähe sucht, sich bei dir sicher fühlt oder in unbekannten Situationen zu dir schaut, steckt dahinter etwas ziemlich Bedeutungsvolles.

Du bist für deine Katze nicht einfach nur die Person, die Futter kauft.

Du kannst Bezugsperson, Sozialpartner, Sicherheitsnetz, Spielkamerad und persönlicher Service-Mitarbeiter in einer Person sein.

Und deshalb sagen wir zum Weltkindertag einfach: Fellkinder zählen für uns mit.


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