Veganuary für Katzen? Wie gesund ist vegane Ernährung für Stubentiger wirklich?
Du überlegst, beim Veganuary mitzumachen, bist schon mittendrin – oder einfach neugierig, was hinter dem Hype der veganen Ernährung steckt?
Vielleicht spielst du mit dem Gedanken, selbst vegan zu leben, bist aber unsicher, wie das mit deinen Gewohnheiten – und vor allem mit dem Futter für deinen Stubentiger – zusammenpasst? Gerade viele Katzeneltern stehen vor der Frage: Kann oder sollte ich meine Katze vegan füttern, wenn ich selbst auf tierische Produkte verzichte?
In diesem Artikel findest Du einen ehrlichen, praxisnahen Überblick rund um das Thema „vegane Ernährung bei Katzen“. Wir sehen uns an, welche Besonderheiten unsere Samtpfoten mitbringen, wo versteckte Risiken liegen und wie du verantwortungsvoll mit Veganismus umgehen kannst.
Was ist Veganuary?
Der Jahreswechsel ist für viele ein Anlass, alte Gewohnheiten zu hinterfragen und mit frischem Schwung neue Dinge auszuprobieren. Genau hier setzt der Veganuary an: Die Challenge lädt Dich ein im Januar – oder vielleicht sogar länger – auf rein pflanzliche Ernährung umzusteigen. Ob als Neujahrsvorsatz, aus Neugier oder weil Du etwas für Tierwohl, Klima und die eigene Gesundheit tun möchtest: Immer mehr Menschen machen mit.
Das Ziel? Bewusst erleben, wie vielfältig und lecker vegane Ernährung sein kann und dabei vielleicht aus einer kleinen Challenge eine langfristige Ernährungsumstellung machen.
Für uns ist der Veganuary eine tolle Gelegenheit, neue Wege auszuprobieren. Aber wie sieht’s aus, wenn es ums Futter für unsere Stubentiger geht? Ist es wirklich eine gute Idee, unsere Katzen vegan zu füttern oder bleiben unsere Vierbeiner beim Veganuary lieber Zuschauer?
Können Katzen vegan leben? Biologische Grundlagen
Jede Tierart hat im Laufe der Evolution ihre ganz eigene Ernährungsstrategie entwickelt – vom Allesfresser bis zum absoluten Spezialisten. Viele Tiere können sich an unterschiedliche Futterquellen anpassen, wenn es die Umstände erfordern.
Doch wie sieht das bei unseren Samtpfoten aus? Können Katzen wirklich flexibel auf vegane Ernährung umsteigen, oder ist ihr Stoffwechsel dafür zu sehr auf Fleisch getrimmt? Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die biologischen Faktoren.

Die Verdauung der Katze – kurz erklärt
Unsere Samtpfoten sind wahre Fleischspezialisten – und das zeigt sich schon beim Blick ins Maul: Das Gebiss der Katze ist auf das Reißen und Zerkleinern von Beutetieren ausgelegt, nicht aufs Kauen von Pflanzen. Ihre Zähne sind spitz und scharf, Backenzähne zum Zermahlen wie bei Pflanzenfressern fehlen komplett.
Auch der Verdauungstrakt unterscheidet sich deutlich von dem anderer Tiere: Katzen haben einen vergleichsweise kleinen Magen und einen sehr kurzen Darm. Das bedeutet, ihre Nahrung wird schnell verarbeitet – ideal für leicht verdauliches, proteinreiches Fleisch.
Im Gegensatz dazu besitzen Pflanzenfresser einen hochkomplexen Verdauungsapparat mit mehreren Mägen (zum Beispiel vier bei der Kuh!), um aus Gras und anderen Pflanzen möglichst viele Nährstoffe zu gewinnen.
Katzen hingegen fehlt diese Fähigkeit: Sie können pflanzliche Bestandteile nur sehr schlecht verwerten und sind auf tierische Proteine und Fette angewiesen. Ihr Stoffwechsel ist darauf ausgelegt, Energie und lebensnotwendige Nährstoffe direkt aus Beutetieren zu ziehen. Alles andere ist für unsere Stubentiger schwerer verdaulich und liefert kaum das, was sie wirklich brauchen.
Essenzielle Nährstoffe für gesunde Katzen
Katzen sind nicht nur leidenschaftliche Jäger, sie sind auch auf ganz bestimmte Nährstoffe angewiesen, die sie fast ausschließlich aus tierischer Nahrung bekommen. Zu den wichtigsten zählen:
-
Taurin: Ein lebensnotwendiger Baustein für Herz, Augen und das Immunsystem. Während viele andere Tiere Taurin selbst herstellen können, sind unsere Stubentiger darauf angewiesen, es direkt mit der Nahrung aufzunehmen – und das steckt eben nur in nennenswerter Menge in Fleisch.
-
Vitamin A: Für gesunde Haut, gutes Sehvermögen und ein funktionierendes Immunsystem unverzichtbar. Pflanzen liefern nur die Vorstufe (Beta-Carotin), die Katzen aber kaum umwandeln können. Sie brauchen Vitamin A direkt aus tierischen Quellen.
-
Arachidonsäure: Eine spezielle Fettsäure, die für die Zellfunktion, Haut und das Nervensystem wichtig ist. Auch sie kommt fast nur in tierischen Fetten vor.
-
Weitere B-Vitamine (z. B. Vitamin B3 und B12): Ebenfalls nur in ausreichender Menge in tierischen Produkten enthalten und für viele Stoffwechselprozesse unersetzlich.
Das bedeutet: In der Natur könnten Katzen nicht vegan leben – ihnen würden all diese essenziellen Stoffe fehlen.
Katzen vs. Hunde – wer kann vegan?
Auf den ersten Blick sind Hund und Katze für viele nur fleischfressende Haustiere – doch biologisch trennen sie Welten, gerade beim Thema Ernährung.
Hunde sind von Natur aus Allesfresser mit einer Vorliebe für Fleisch. (sogenannte Carni-Omnivoren). Ihr Verdauungssystem ist deutlich anpassungsfähiger: Sie können pflanzliche Nahrung viel besser verwerten als unsere Samtpfoten. Ihr Darm ist länger, sie besitzen Enzyme, um pflanzliche Stärke und Kohlenhydrate aufzuspalten. Außerdem können sie einige wichtige Nährstoffe – etwa Vitamin A oder bestimmte Aminosäuren – selbst aus pflanzlichen Quellen herstellen.
Katzen hingegen sind strikte Fleischfresser (obligate Karnivoren). Ihr Stoffwechsel ist hochspezialisiert auf die Verwertung von Beutetieren. Das Fressen von Pflanzen spielt bei ihnen von Natur aus kaum eine Rolle. Pflanzliche Zutaten nehmen unsere Stubentiger höchstens in winzigen Mengen auf – und zwar meist nur als „Beifang“, also wenn sie den Mageninhalt (z. B. Körner oder Getreide) von Mäusen oder Vögeln mitfressen.
Während Hunde mit einer gut geplanten pflanzlichen Ernährung klarkommen können, bleibt das für unsere Stubentiger nahezu unmöglich. Ihre Biologie lässt ihnen keinen Spielraum – das Risiko für Mangelerscheinungen bei einer veganen Ernährung ist extrem hoch.
Risiken einer veganen Ernährung für Katzen
Mangelerscheinungen durch fehlende Nährstoffe
Katzen brauchen eine Vielzahl an Nährstoffen, die fast ausschließlich in tierischer Nahrung vorkommen. Fehlen diese, kann das verschiedene Organe und Funktionen betreffen:
-
Herzprobleme:
Besonders problematisch ist Taurinmangel, der zu schweren Herzerkrankungen (z.B. dilatative Kardiomyopathie) führen kann. Das Heimtückische: Herzprobleme bleiben oft lange unbemerkt – im schlimmsten Fall kann es plötzlich zu akutem Herzversagen und Herztod kommen. -
Nervensystem:
Defizite an bestimmten Fettsäuren und Vitaminen wirken sich negativ auf das Nervensystem aus – mögliche Folgen sind Koordinationsstörungen, Lähmungen oder Verhaltensänderungen. -
Augen:
Ein Mangel an Taurin und Vitamin A kann zu Sehschwäche bis hin zur Erblindung führen, was durch einen späteren Ausgleich des Mangels nicht mehr umkehrbar ist. -
Nieren:
Katzen benötigen durch schwefelhaltige Aminosäuren aus tierischem Protein einen natürlich sauren Urin; bei pflanzlicher Ernährung fehlt vor allem Methionin, wodurch der Urin jedoch basisch wird und z.B. Harnsteine begünstigt werden. Gleichzeitig ist pflanzliches Protein für Katzen schlechter verwertbar, was zu Muskelabbau führt und die Nieren stärker belastet, obwohl scheinbar ausreichend Protein gefüttert wird. -
Leber
Auch im wichtigsten Stoffwechselorgan des Körpers kann ein Mangel an Vitamin A und B3 zu Störungen im Fettstoffwechsel, bei der Entgiftung und im Immunsystem führen. -
Knochen:
Katzen können tierisches Vitamin D3 nicht so effizient durch pflanzliches Vitamin D2 ersetzen. Fehlt es daran, werden Knochen und Muskeln nicht ausreichend stabil aufgebaut, was zu brüchigen Knochen, Schwäche und bei jungen Katzen zu Fehlentwicklungen führen kann. -
Haut und Fell:
Verschiedene Mangelerscheinungen zeigen sich oft auch durch stumpfes Fell, schuppige Haut oder Haarausfall.
Mögliche Langzeitfolgen
Langzeitfolgen einer veganen Ernährung bei Katzen sind bislang nur unzureichend erforscht.
Es gibt kaum Studien, die zeigen, wie sich eine solche Fütterung über viele Jahre hinweg wirklich auf Organe, Stoffwechsel und Lebensdauer unserer Samtpfoten auswirkt. Viele Zusammenhänge sind noch gar nicht abschließend geklärt.
Auch wenn viele Risiken wie Taurin- oder Vitamin-A-Mangel bekannt sind, gibt es zahlreiche weitere Bereiche, die bisher kaum untersucht wurden:
Langzeitfolgen auf Nieren, Leber, Gehirn oder das Immunsystem, aber auch mögliche Veränderungen des Darmmikrobioms.
Selbst wenn Du regelmäßig Organwerte beim Tierarzt kontrollieren lässt, bleibt eine große Unsicherheit: Manche Schäden entstehen schleichend, ohne dass sie im Blutbild früh auffallen – und werden erst sichtbar, wenn es schon zu spät ist.
Unterm Strich ist die vegane Fütterung für Katzen deshalb ein Risiko: Wir bewegen uns in einem Bereich, in dem die Forschung noch viele Lücken hat und die Folgen nicht zuverlässig vorhersehbar sind. Viele Tierärzte und Fachgesellschaften wie z.B. der Deutsche Tierschutzbund raten deshalb klar davon ab.
Vegane Fütterung: Wie gut sind die fleischlosen Alternativen?
Veganes Katzenfutter – Inhaltsstoffe, Unterschiede und mögliche Risiken
Veganes Katzenfutter besteht vor allem aus pflanzlichen Eiweißquellen wie Soja oder Erbsen. Um den Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen zu decken, werden dem Futter zusätzlich künstliche Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt.
Im Vergleich zu klassischem Katzenfutter enthält die vegane Variante meist mehr Ballaststoffe und Kohlenhydrate – Nährstoffe, die der Katzenkörper nur eingeschränkt verwerten kann. Das kann die Verdauung belasten und im Übermaß zu Problemen wie Durchfall führen.
Der Haken: Pflanzliche Proteine enthalten zwar grundsätzlich die gleichen Aminosäuren wie tierische, aber oft in anderen Mengenverhältnissen. Zum Beispiel ist Methionin – für Katzen lebenswichtig – in pflanzlichen Eiweißen meist nur in sehr geringen Mengen enthalten.
Warum Supplemente in veganem Katzenfutter unverzichtbar sind
Damit veganes Katzenfutter überhaupt annähernd alle lebenswichtigen Nährstoffe liefert, müssen Vitamine, Aminosäuren und bestimmte Fettsäuren künstlich zugesetzt werden.
Doch auch wenn alles zugesetzt wird, bleibt ein Risiko: Die richtige Dosierung ist entscheidend, denn sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig kann der Gesundheit schaden. Gerade bei industriell hergestelltem Futter können Schwankungen in der Zusammensetzung, Lagerung oder Herstellung dazu führen, dass einzelne Nährstoffe nicht optimal verfügbar sind.
Hinzu kommt: Vitamine aber auch Mineralstoffe wie Eisen oder Zink sind aus pflanzlichen Quellen für Katzen deutlich schlechter verwertbar als aus Fleisch. Selbst wenn sie im Futter enthalten sind, heißt das also nicht automatisch, dass Deine Samtpfote sie auch wirklich gut aufnehmen und nutzen kann.
Regelmäßige Checks beim Tierarzt sind Pflicht!
Wer seine Katze vegan ernährt, sollte alle paar Monate beim Tierarzt die wichtigsten Blutwerte kontrollieren lassen – vor allem Nieren-, Leber- und Herzwerte. Oft werden zusätzlich noch weitere Untersuchungen wie Herzultraschall oder spezielle Organ-Checks empfohlen.
Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern kann auch teuer werden: Pro Blutuntersuchung und weiterführende Diagnostik kommen schnell über 100 Euro zusammen.
Trotz aller Vorsicht lassen sich Spätschäden damit nicht sicher ausschließen. Wer sich für eine vegane Fütterung entscheidet, sollte diese tierärztlichen Kontrollen dauerhaft einplanen, um die Gesundheit der Samtpfote möglichst gut zu überwachen.
Veganuary als Chance für Menschen – aber nicht für Katzen
Für uns Menschen kann eine ausgewogene vegane Ernährung viele Vorteile bringen: Sie kann das Risiko für bestimmte Krankheiten senken, die Umwelt schonen und einen Beitrag zum Tierwohl leisten. Gerade beim Veganuary nutzen viele die Gelegenheit, ihre Ernährung zu hinterfragen und neue Wege auszuprobieren. Wichtig ist dabei aber auch: Selbst für uns braucht es regelmäßige Checks und Ergänzungen wie Vitamin B12, um auf Nummer sicher zu gehen.
Als Katzeneltern übernehmen wir nicht nur Verantwortung für unsere eigenen Überzeugungen, sondern vor allem für das Wohl unserer Samtpfoten. Tierwohl bedeutet in diesem Fall, die natürlichen Bedürfnisse der Katze zu respektieren – auch wenn das für uns manchmal unbequem ist. Unsere Stubentiger sind von Natur aus auf tierische Nahrung spezialisiert und können viele Nährstoffe aus Pflanzen schlicht nicht verwerten.
Fazit
Was für uns gut funktionieren kann, ist für Katzen mit einem deutlich größeren Risiko verbunden. Die Forschung zur veganen Fütterung bei Katzen steht noch am Anfang und viele potenzielle Langzeitfolgen sind noch nicht absehbar.
Deshalb gilt: Veganuary? Sehr gern für Dich – für Deine Katze aber lieber nicht.
Über die Autorin

Larissa Csanády ist Tierärztin. Sie hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München von 2014 bis 2020 studiert. Sie hat außerdem mehrere Jahre Erfahrung in einer Kleintierpraxis. Nach Erhalt ihrer Approbation startete Larissa in einer Gemischtpraxis im Berchtesgadener Land. Zeitgleich entwickelte sie eine Liebe fürs Schreiben.
Deshalb hat sie Ende 2022 die Lambda Wortmanufaktur als spezialisierte Textagentur für Tiermedizin, Medizin und Tiertexte gegründet.


Hinterlassen Sie einen Kommentar