Community Q&A: Brauchen Katzen Vitamine? Und welche ätherische Öle sind sicher?

Es gibt Fragen, die kommen im Alltag mit Katzen immer wieder.
Gerade wenn es um „kleine Extras“ geht, willst du unterstützen und alles richtig machen. Doch am Ende stehst du trotzdem vor der Frage: Braucht meine Katze das wirklich oder ist es einfach nur gut gemeint?

Und dann kommt dazu: Viele Dinge, die für uns Menschen ganz normal sind und gut klappen, gelten so leider nicht für unsere Samtpfoten. Katzen sind in manchen Punkten oft empfindlicher und reagieren anders.


Heute startet deshalb unser Community Q&A. Zum Start geht’s um Futterzusätze wie Vitamine und ätherische Öle. Also um alles, was man im Alltag gerne ergänzend nutzt.


1. Vitamine bei Katzen: Was ist sinnvoll?

Q: Was sollten Katzen auf jeden Fall als zusätzliche Vitamine o.ä. verabreicht bekommen, um sie zu unterstützen?

A: Wenn es um Vitamine geht, gibt’s bei Katzen kaum ein pauschales „auf jeden Fall“.
Ein gutes Alleinfutter ist so zusammengesetzt, dass es die Vitaminversorgung für die jeweilige Lebensphase grundsätzlich abdeckt. Extra-Vitamine sind also nicht grundsätzlich, sondern eher situativ sinnvoll.

Außerdem gilt bei Vitaminen nicht: „Viel hilft viel“. Im Gegenteil: Die fettlöslichen Vitamine (A, D, E, K) kann der Körper gut in der Leber speichern, sodass sich diese mehr anreichern können und durch eine Überdosierung zu gesundheitlichen Problemen führen. Zu viel Vitamin A kann langfristig den Bewegungsapparat stressen, bei Vitamin D kann der Calciumspiegel entgleisen, was vor allem für die Nieren richtig ungünstig ist. Vitamin C ist bei Katzen meist kein großes Thema, weil sie es – im Gegensatz zu uns Zweibeinern – selbst bilden können.
 

Doch es gibt auch ein paar Vitamine, die sogar von Tierärzten bei Therapien eingesetzt werden.

  • Senior-Katze mit Appetitverlust oder Gewichtsabnahme:
    Hier wird die Gruppe der B-Vitamine spannend. Vitamin B12 hängt eng mit Blutbildung, Nerven und der Nährstoffverwertung zusammen. Dazu kommen Vitamin B1 für Energiegewinnung und Nervenfunktion sowie Vitamin B6, das unter anderem beim Eiweißstoffwechsel mitmischt. Gerade wenn eine ältere Katze weniger frisst oder der Darm nicht optimal mitspielt, kann es passieren, dass B-Vitamine zwar im Futter ausreichend enthalten sind, aber nicht mehr optimal aufgenommen werden – und damit im Körper nicht zuverlässig verfügbar sind.

  • Chronische Erkrankungen/Entzündung: Hier wird manchmal auch Vitamin E diskutiert. Es hat antioxidative Eigenschaften und wirkt als eine Art Zellschutz. Dabei fängt es „oxidativen Stress“ ab, also schädliche Sauerstoffmoleküle. Gerade bei chronischen Entzündungen entsteht im Körper oft mehr oxidativer Stress. Genau da kann Vitamin E als zusätzlicher Zellschutz unterstützen. Nebenbei spielt Vitamin E auch für Haut und Fell eine Rolle.

Wichtig: Vitamine können eine Zusatztherapie sein, aber kein Ersatz für Diagnose oder andere Therapien. Deswegen immer erst andere Ursachen abklären.

Mein Fazit

Echte Vitaminmängel sind bei passendem Alleinfutter selten. Bei älteren oder länger kranken Katzen können Vitamine ein sinnvoller Baustein sein, nur eben eher Feintuning als Gamechanger.
Vitamine sind nur ein Teil davon: Es gibt auch andere sinnvolle Zusätze wie Öle – das wäre aber ein ganz eigenes Thema.

Ätherische Öle bei Katzen: Was ist sicher?

Q: Ich arbeite viel mit ätherischen Ölen und weiß, dass viele für Katzen toxisch sind. Gibt es dennoch Öle, die ich auch für Katzen verwenden kann?

A: Ich liebe ätherische Öle und bei mir läuft der Diffuser nicht nur in der kalten Jahreszeit ziemlich regelmäßig. Bei Katzen bin ich damit aber deutlich vorsichtiger, erst recht, wenn es um direkte Anwendung an der Katze geht: Sie finden intensive Düfte nicht nur unangenehm, sondern verarbeiten ätherische Öle auch körperlich ganz anders als wir.

Der Hauptgrund ist ihre besondere Stoffwechselphysiologie:
Katzen haben bei einem wichtigen Leber-Entgiftungsweg (Stichwort Glucuronidierung) deutlich weniger Spielraum. Viele Bestandteile ätherischer Öle werden dadurch langsamer abgebaut, können länger im Körper bleiben und sich anreichern. Und weil ätherische Öle extrem konzentriert sind, kann aus „nur ganz wenig“ schnell ein großes Problem werden.

Symptome einer solchen Vergiftung können zum Beispiel sein: vermehrtes Speicheln, Erbrechen, Zittern, Taumeln, Unruhe oder auffällige Müdigkeit. In schweren Fällen kann es zu Herzproblemen, Krampfanfällen und einem Kreislaufkollaps kommen und auch tödlich enden.

No-Gos bei Katzen sind deshalb: Teebaumöl und Nadelbaumöle (z.B. Kiefer, Fichte, Tanne) und viele „starke“ Öle wie Eukalyptus, Pfefferminze oder manche Zitrusöle.

Es gibt zwar ein paar ätherische Öle, die als vergleichsweise mild gelten, etwa Blumenöle wie Lavendel oder Kamille. Trotzdem ist das keine echte Empfehlung für eine direkte Anwendung an der Katze. Selbst „mild“ kann zu viel sein und positive Effekte sind bei Katzen oft nicht so gut belegt wie beim Menschen. Wenn überhaupt, sind weniger konzentrierte Pflanzenstoffe wie Hydrolate meist die sanftere Richtung. Dazu kommt: Katzen putzen sich. Alles, was auf Fell oder Haut landet, wird früher oder später abgeschleckt.


Mein Fazit

Auch wenn es ein paar Öle gibt, die als milder gelten, sind ätherische Öle für mich nicht „katzengeeignet“ also sinnvoll und unbedenklich.

Wenn überhaupt, dann nur in sehr speziellen Fällen, extrem verdünnt und mit fachlicher Begleitung. Schließlich gibt es für die meisten Anwendungsbereiche deutlich effektivere und sicherere Alternativen wie Pheromone etc. Wenn Du Deiner Katze etwas Gutes tun willst, sind meist andere Stellschrauben hilfreicher und vor allem auch nebenwirkungsärmer.

Dazu kommt: Katzen erleben Düfte ganz anders als wir, für ihren stärkeren Geruchssinn schnell zu intensiv. Wenn etwas für uns angenehm riecht, gilt das oft nicht für unsere Stubentiger.


Extras mit Augenmaß

Unterm Strich gilt: Bei allem, was „zusätzlich“ ist, lohnt sich einmal ein kritischer Blick. 

Vitamine landen bei mir nicht automatisch zusätzlich im Napf, solange das Alleinfutter passt, außer es gibt einen konkreten Anlass wie Alter oder eine chronische Erkrankung. Ätherische Öle sind zwar oft lieb gemeint, bei Katzen aber schnell „zu viel“ für ihren Körper und ihre empfindlichen Nasen. Zudem steht der mögliche Nutzen dabei häufig in keinem guten Verhältnis zum Risiko.

Wenn Du eine Frage hast, die Dir im Katzenalltag immer wieder durch den Kopf geht, schick sie uns gerne zu. Für die nächste Community-Q&A-Ausgabe sammle ich wieder die Fragen und gebe dir ehrliche Antworten, die im Alltag helfen.

 

Über die Autorin

Larissa Csanády ist Tierärztin. Sie hat an der Ludwig-Maximilians-Universität München von 2014 bis 2020 studiert. Sie hat außerdem mehrere Jahre Erfahrung in einer Kleintierpraxis. Nach  Erhalt ihrer Approbation startete Larissa in einer Gemischtpraxis im Berchtesgadener Land. Zeitgleich entwickelte sie eine Liebe fürs Schreiben.

Deshalb hat sie Ende 2022 die Lambda Wortmanufaktur als spezialisierte Textagentur für Tiermedizin, Medizin und Tiertexte gegründet.


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