Rund ums Gewicht - so viel sollte Katz wiegen; und das machst du, wenn es zu viel ist

Ein paar zusätzliche Gramm fallen bei einer Katze zunächst kaum auf. Unter flauschigem oder dichtem Fell bleibt eine Gewichtszunahme oft lange unbemerkt; besonders dann, wenn man seinen Stubentiger jeden Tag sieht.

Ein gesundes Körpergewicht ist jedoch wichtig, damit deine Katze beweglich bleibt und möglichst lange ein aktives Leben führen kann. Übergewicht kann ihre Lebensqualität einschränken und das Risiko verschiedener gesundheitlicher Probleme erhöhen.[1]

In diesem Artikel erfährst du, wie du Übergewicht erkennen, deine Katze zu mehr Bewegung motivieren und eine gesunde Gewichtsabnahme begleiten kannst.

Wie viel sollte eine Katze wiegen?

Die Frage klingt einfach, lässt sich aber nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Zwar sind ausgewachsene Kater häufig größer und schwerer gebaut als weibliche Katzen, das Geschlecht allein bestimmt jedoch nicht das ideale Gewicht.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Rasse und Körperbau

  • Alter

  • Muskelmasse

  • Aktivitätslevel

  • Kastration

  • individuelle Körpergröße

Statt nur auf die Zahl auf der Waage zu schauen, wird deshalb häufig der sogenannte Body Condition Score, kurz BCS, verwendet. Dabei werden Körperform und Fettpolster betrachtet und vorsichtig ertastet.[3]

Bei einer Katze mit idealem Körperzustand sollten die Rippen unter einer dünnen Fettschicht gut fühlbar sein. Von oben sollte hinter den Rippen eine Taille erkennbar sein, während sich der Bauch von der Seite leicht nach oben zieht.[3]

Quelle: ExcitedCats.com

Sind die Rippen nur noch schwer oder gar nicht fühlbar, fehlt eine erkennbare Taille und wirkt der Bauch deutlich gerundet, kann das auf Übergewicht hindeuten.[3]

Ein kleiner Hängebauch ist allerdings nicht automatisch ein Zeichen für Übergewicht. Viele Katzen besitzen eine natürliche Bauchtasche, den sogenannten „Primordial Pouch“, die auch bei normalgewichtigen Tieren sichtbar sein kann.

Regelmäßiges Wiegen schafft Klarheit

Da sich körperliche Veränderungen unter dichtem Fell leicht verstecken, lohnt es sich, deine Katze regelmäßig zu wiegen. Idealerweise dokumentierst du nicht nur das Gewicht, sondern auch den Body Condition Score und - wenn möglich - die Muskelmasse.[4]

Du kannst dich zunächst allein und anschließend mit deiner Katze auf eine Personenwaage stellen. Die Differenz ergibt das ungefähre Gewicht deiner Samtpfote. Noch genauer funktioniert es mit einer Tier- oder Babywaage.

Entscheidend ist weniger eine einzelne Messung als die Entwicklung über mehrere Wochen und Monate. Eine unerklärliche Veränderung des Gewichts gilt als Grund für eine genauere tierärztliche Untersuchung.[4]

Bewegung zuerst: So wird deine Katze im Alltag aktiver

Gerade Wohnungskatzen haben im Alltag nicht immer ausreichend Möglichkeiten, ihren natürlichen Jagd- und Bewegungsdrang auszuleben. Eine abwechslungsreiche Umgebung, aktive Beschäftigung und angepasste Fütterungsmethoden können deshalb wichtige Bestandteile eines Gewichtsmanagements sein.[4]

Mehrere kurze Spieleinheiten einplanen

Katzen sind nicht unbedingt für stundenlange Trainingseinheiten gemacht. Mehrere kurze Aktivitätsphasen passen häufig besser zu ihrem natürlichen Verhalten.[5]

Spielangeln, Federwedel, kleine Bälle oder bewegliche Spielzeuge können den Jagdinstinkt ansprechen. Bewege das Spielzeug dabei möglichst wie ein echtes Beutetier: mal schnell, mal langsam und zwischendurch hinter einem Möbelstück verschwindend.

Lass deine Katze die „Beute“ am Ende auch fangen. So endet das gemeinsame Spiel mit einem Erfolgserlebnis.

Futter als Beschäftigung nutzen

Futterbälle, Fummelbretter und Intelligenzspielzeuge verbinden die Mahlzeit mit Bewegung und Kopfarbeit. Auch einzelne Futterportionen können in der Wohnung versteckt werden, damit deine Katze danach suchen muss.

Wichtig ist jedoch, das dabei verwendete Futter von der täglichen Gesamtmenge abzuziehen. Auch Leckerlis sollten bei der Berechnung der täglichen Energiezufuhr berücksichtigt werden.[4]

Die Wohnung dreidimensional gestalten

Katzen bewegen sich nicht nur auf dem Boden. Kratzbäume, erhöhte Liegeplätze, stabile Wandbretter und sichere Fensterplätze laden zum Klettern, Springen und Erkunden ein.

Bei stark übergewichtigen Katzen oder bekannten Gelenkproblemen sollten die Wege zunächst leicht erreichbar sein. Kleine Zwischenstufen, Hocker und rutschfeste Oberflächen können die Bewegung erleichtern.

Alltagstricks für mehr Schritte

Platziere Wasser, Schlafplätze, Spielmöglichkeiten und Futter nicht alle unmittelbar nebeneinander. So entstehen im Alltag automatisch kleine Wege.

Auch ein langsames Training mit Geschirr und Leine kann für manche Katzen eine interessante Beschäftigung sein. Nicht jede Samtpfote findet Spaziergänge jedoch angenehm - und das ist vollkommen in Ordnung.

Welche gesundheitlichen Folgen kann Übergewicht haben?

Übergewicht ist nicht nur eine optische Frage. Überschüssiges Körperfett kann die Beweglichkeit und Lebensqualität einer Katze einschränken und verschiedene Erkrankungen begünstigen.[1]

Zu den möglichen Folgen oder Begleiterkrankungen gehören:

  • Diabetes mellitus

  • Arthritis und andere Gelenkbeschwerden

  • chronische Schmerzen

  • Bluthochdruck

  • Herz-Kreislauf-Belastungen

  • erhöhte Risiken bei Narkosen

  • eingeschränkte Beweglichkeit

  • Schwierigkeiten bei der Fellpflege[1][6]

Übergewicht gehört außerdem zu den wichtigsten bekannten Risikofaktoren für Diabetes bei Katzen.[6]

Es kann ein ungünstiger Kreislauf entstehen: Zusätzliche Pfunde erschweren die Bewegung, woraufhin sich die Katze weniger bewegt und noch weniger Energie verbraucht.

Manche übergewichtigen Katzen erreichen bestimmte Körperstellen bei der Fellpflege nicht mehr. Ein ungepflegtes oder verfilztes Fell am Rücken und Hinterteil kann daher ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist.[1]

Kann eine Gewichtszunahme auf eine Erkrankung hindeuten?

In den meisten Fällen entsteht Übergewicht, wenn eine Katze über längere Zeit mehr Energie aufnimmt, als sie verbraucht.[7] Auch Alter, Kastration, geringe Aktivität, Schmerzen und bestimmte Medikamente können das Gewicht beeinflussen.

Eine schnelle oder unerklärliche Gewichtszunahme sollte dennoch tierärztlich abgeklärt werden. In seltenen Fällen können hormonelle Erkrankungen eine Rolle spielen.[8]

Außerdem muss ein größer oder runder wirkender Bauch nicht zwangsläufig durch Körperfett verursacht werden. Auch eine Schwangerschaft, vergrößerte Organe, Tumoren oder Flüssigkeitsansammlungen können zu einer Vergrößerung des Bauchumfangs führen.[8]

Vereinbare daher einen Termin in deiner Tierarztpraxis, wenn die Veränderung plötzlich auftritt oder von weiteren Auffälligkeiten begleitet wird, zum Beispiel:

  • deutlich geringerer Aktivität

  • Atemproblemen

  • einem auffällig runden oder gespannten Bauch

  • stark verändertem Hunger oder Durst

  • Haut- oder Fellveränderungen

  • Verdauungsproblemen

  • Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Springen

So sieht gesundes Abnehmen bei Katzen aus

Eine Katzendiät sollte langsam, kontrolliert und gemeinsam mit einer Tierarztpraxis geplant werden. Einfach deutlich weniger vom bisherigen Futter zu geben, ist nicht immer die richtige Lösung, da eine zu starke Einschränkung zu einer unzureichenden Versorgung mit wichtigen Nährstoffen führen kann.[5]

Als allgemeine Orientierung wird häufig ein Gewichtsverlust von ungefähr ein bis zwei Prozent des Ausgangsgewichts pro Woche genannt. Bei stark übergewichtigen Katzen kann ein langsameres Tempo von etwa 0,5 Prozent angemessener sein.[5]

Eine fünf Kilogramm schwere Katze würde bei einem Prozent Gewichtsverlust ungefähr 50 Gramm pro Woche verlieren.

Das klingt zunächst nach wenig, ist aber vollkommen beabsichtigt: Eine sichere Gewichtsabnahme benötigt Zeit und sollte regelmäßig kontrolliert werden.[5]

Neben dem Gewicht sollte auch die Muskulatur beobachtet werden. Katzen können selbst bei Übergewicht bereits Muskelmasse verloren haben, weshalb Body Condition Score und Muscle Condition Score getrennt beurteilt werden sollten.[9]

Warum eine Crashdiät gefährlich ist

Katzen dürfen nicht einfach hungern. Eine länger anhaltende Futterverweigerung kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.[2]

Besonders übergewichtige Katzen haben bei einer starken Nahrungskarenz ein erhöhtes Risiko für eine hepatische Lipidose, also eine potenziell lebensbedrohliche Fettleber.[2]

Streiche daher niemals abrupt große Futtermengen und setze deine Katze nicht eigenständig auf eine radikale Diät. Frisst sie plötzlich sehr wenig oder gar nicht, solltest du zeitnah tierärztlichen Rat einholen.[2]

Ein guter Abnehmplan enthält:

  • ein realistisches Zielgewicht

  • eine individuell berechnete Tagesration

  • regelmäßige Gewichtskontrollen

  • eine passende Bewegungsroutine

  • eine klare Regelung für Snacks und Belohnungen

Die ganze Familie muss mitmachen

Der beste Plan hilft wenig, wenn eine Person die Portion sorgfältig abwiegt und jemand anderes nebenbei Snacks verteilt.

Sprich deshalb mit allen Personen im Haushalt ab:

  • Wer füttert wann?

  • Wie groß ist die Tagesration?

  • Welche Snacks sind eingeplant?

  • Wo wird festgehalten, was bereits gefüttert wurde?

Ein Behälter mit der gesamten Tagesration kann helfen. Alles, was an diesem Tag gefüttert wird - auch als Belohnung oder im Fummelbrett -, wird aus diesem Behälter genommen.

In Mehrkatzenhaushalten kann getrenntes Füttern notwendig sein, damit nicht eine Katze beide Näpfe leert.

Snacks nicht vergessen

Auch sehr kleine Leckerlis liefern Energie. Gerade bei häufigem Training können sich viele kleine Snacks schnell summieren.

Snacks müssen während einer Gewichtsabnahme nicht grundsätzlich verboten sein. Sie sollten jedoch in die tägliche Kalorienmenge eingerechnet werden. Als allgemeine Orientierung sollten Leckerlis und zusätzliche Lebensmittel nicht mehr als etwa zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen.[4][5]

Alternativ kannst du einen Teil des normalen Futters als Belohnung verwenden.

Und nicht jede Belohnung muss essbar sein: Spielen, Bürsten, Aufmerksamkeit oder gemeinsame Ruhezeit können für viele Katzen ebenso wertvoll sein.

Die Rolle des richtigen Futters

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Alltags. Langfristig hängt das Gewicht jedoch vor allem davon ab, wie viel Energie deine Katze aufnimmt und wie viel sie verbraucht.[7]

Dabei geht es nicht darum, den Napf möglichst leer zu lassen. Deine Katze benötigt auch während einer Gewichtsabnahme ein ausgewogenes Alleinfuttermittel, das sie mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt.

Katzen sind Fleischfresser und auf bestimmte Nährstoffe aus tierischen Bestandteilen angewiesen. Dazu gehören unter anderem hochwertiges Protein und Taurin.

Eine ausreichende Proteinversorgung ist während einer Gewichtsabnahme besonders relevant, da möglichst viel Muskelmasse erhalten bleiben soll.[9]

Entscheidend sind außerdem der konkrete Kaloriengehalt des Futters und die individuell berechnete Portion. Wiege die Tagesration am besten mit einer Küchenwaage ab, da das Abmessen nach Augenmaß schnell ungenau werden kann.[5]

Auch Zucker, Snacks, Tischreste und zusätzliche Toppings sollten bei der täglichen Gesamtmenge berücksichtigt werden. Am Ende zählt nicht nur eine einzelne Zutat, sondern die gesamte aufgenommene Energiemenge.[7]

Bitte immer mit der Tierarztpraxis abstimmen

Bevor deine Katze gezielt abnehmen soll, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt ihren allgemeinen Gesundheitszustand, das Ausgangsgewicht, den Body Condition Score und möglichst auch ihre Muskelmasse beurteilen.[4][9]

Gemeinsam könnt ihr klären:

  • welches Zielgewicht realistisch ist

  • wie viele Kalorien deine Katze benötigt

  • welches Futter geeignet ist

  • wie schnell sie abnehmen sollte

  • in welchen Abständen Kontrollen sinnvoll sind

  • ob Schmerzen oder Erkrankungen ihre Bewegung einschränken

Das gilt besonders für ältere Katzen, Tiere mit chronischen Erkrankungen und Katzen, die regelmäßig Medikamente erhalten.

Fazit: Kleine Schritte statt Radikaldiät

Ein gesundes Gewicht entsteht nicht durch Verbote oder eine möglichst leere Futterschüssel. Es entsteht durch eine passende Futtermenge, ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und einen Plan, der zu deiner Katze passt.

Beobachte nicht nur die Zahl auf der Waage, sondern auch Körperform, Muskulatur, Beweglichkeit und allgemeines Wohlbefinden.

Mit kurzen Spieleinheiten, sinnvoller Beschäftigung und einer genau portionierten Futtermenge kannst du deine Katze Schritt für Schritt unterstützen.

Und das Wichtigste: Lass dir dabei helfen. Gemeinsam mit deiner Tierarztpraxis findet ihr einen sicheren Weg, mit dem deine Katze gesund abnehmen kann und trotzdem weiterhin gern zum Napf kommt.

Quellen

[1] Cornell University College of Veterinary Medicine: „Obesity“ und „Ask Elizabeth: Care of Obese Cats“. Informationen zu den gesundheitlichen Folgen von Übergewicht, eingeschränkter Beweglichkeit, Diabetes und Gelenkbeschwerden.
[2] Merck Veterinary Manual: „Feline Hepatic Lipidosis“. Informationen zum Risiko einer potenziell lebensbedrohlichen Fettleber bei Futterverweigerung, insbesondere bei übergewichtigen Katzen.
[3] World Small Animal Veterinary Association, WSAVA: „Body Condition Score - Cats“. Übersicht zur Bewertung des Körperzustands anhand von Rippen, Taille und Fettpolstern.
[4] World Small Animal Veterinary Association, WSAVA: „Global Nutrition Guidelines“ und „Nutritional Assessment Guidelines“. Empfehlungen zur regelmäßigen Beurteilung von Gewicht, Körperzustand, Muskelmasse, Ernährung und Leckerlis.
[5] VCA Animal Hospitals: „Following a Weight Loss Plan for Cats“. Informationen zum sicheren Gewichtsverlust, zur Portionsberechnung, zu Snacks und geeigneter Bewegung.
[6] Cornell Feline Health Center: „Feline Diabetes“. Übersicht über Übergewicht, Bewegungsmangel und weitere Risikofaktoren für Diabetes mellitus bei Katzen.
[7] International Cat Care: „Obesity in Cats“. Erklärung der Energiebilanz und der Entstehung einer Gewichtszunahme.
[8] VCA Animal Hospitals: „Testing for Abdominal Enlargement in Cats“. Übersicht über mögliche Ursachen einer Gewichtszunahme oder eines vergrößerten Bauchumfangs.
[9] World Small Animal Veterinary Association, WSAVA: „Muscle Condition Score Chart for Cats“. Informationen zur getrennten Beurteilung von Körperfett und Muskelmasse.

 


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